biogrphie

BIOGRAPHIE

Während des Studiums der Vergleichenden Religionswissenschaften in Athen, Tübingen und später in Zürich begann ich mich auf die Freud’sche Couch zu legen und ergründete mit meinem Psychoanalytiker mein Unbewusstes. Diese Arbeit führte zu einem Berufswechsel. Seit 1986 arbeite ich als Freud’sche Psychoanalytikerin in eigener Praxis in Zürich.

In den 90er Jahren hatte ich die spontane Idee, mich um das Kuratorium einer Kunstausstellung zu bewerben. Seither beschäftige ich mich genauso intensiv mit der Kunst wie mit der Psychoanalyse.

Mich interessieren jegliche Formen und Dynamiken einer Beziehung, nicht zuletzt als Ausdruck im Kunstwerk oder als deren biografischer Antrieb. Dabei spielt die Angst eine wiederkehrende und nicht unbedeutende Rolle, die Angst als Folge von Missachtung und Verkennung eines sich selbst bestimmenden Subjektes.

Das Nachdenken und Forschen darüber bilden die Grundlage meiner Arbeit.
Sei es in der psychoanalytischen Praxis, in Vorträgen, Seminaren, Diskussionen und als Autorin sei es in der Kunst als Kuratorin, Dokfilmerin, Künstlerin, Kunstvermittlerin und Autorin.

Immer geht es mir um die Begegnung.

Eine Echse schaut sich im Spiegel an und denkt bei sich
das bin ich.
das bin ich!
das bin ich?

projekte

Projekte

In der Folge möchte ich meine Projekte mit den Titeln Verdingkinder, Afrika, staccati, Innenraum sowie aktuelle Arbeiten vorstellen. Diverse Projekte, die ich spasseshalber entworfen habe, finden Sie in der entsprechenden Rubrik.

Zuerst dachte sie, es wäre Liebe
dann dachte sie, es wäre der Falsche
dann suchte sie von neuem
dann dachte sie, es wäre der Richtige
dann dachte sie, sie wäre die Falsche

verdingkinder

Verdingkinder

2010 begann ich mit einem Dokumentarfilm über meinen Vater. Nach dem ersten Tag mussten wir die Dreharbeiten einstellen, weil ihn seine eigene Biographie schmerzhaft einholte. Diese Erfahrung weckte mein Interesse für eine ganze Generation, die unter grosser Armut und Entbehrungen aufzuwachsen hatte.

So entstanden ein Film, diverse Podiumsdiskussionen und Vorträge, u.a. für den Runden Tisch des EJPD zur Problematik Betroffener von Armut und Betroffener fürsorgerischer Zwangsmassnahmen. Nicht zuletzt erwuchs daraus meine Initiative, mit der Bundesrätin in Kontakt zu treten, um eine Entschuldigung an den Betroffenen in Erwägung zu ziehen, welche im Anschluss daran vorbereitet und im April 2013 mit dem Gedenkanlass seinen Abschluss fand.


Nationalfondsprojekt über Verdingkinder
Im Jahre 2004 erschien in den Medien ein Aufruf, ehemalige Verdingkinder möchten sich zur historischen Aufarbeitung melden. Mit einigen der Betroffenen habe ich, im Auftrag der Projektleitung, Videointerviews geführt.


Lisa und Yvonne
Der 72-minütige Dokumentarfilm handelt von Lisa, einem ehemaligen Verdingkind, und ihrer 38-jährigen Tochter Yvonne.

In Einzel- und gemeinsamen Gesprächen zeige ich auf, wie die traumatischen Kindheitserfahrungen Lisas im Leben von Yvonne nachhallen, wie Erfahrung ungewollt und unbewusst weiter gegeben, wie das Trauma transgenerationell wird.


Ausstellung verdingkinderreden.ch
Zur Wanderausstellung habe ich einzelne Textbeiträge über die Bewältigung und Bewältigungsstrategien der ehemaligen Verdingkinder geschrieben.

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Projekt o.T.
Das Projekt »ohne Titel« ist ein derzeit laufender Prozess, zusammen mit Betroffenen fürsorgerischer Zwangsmassnahmen ein Produkt zu entwerfen und zu gestalten, bis hin zu dessen Veröffentlichung.

afrika

AFRIKA

Ich habe Marina Abramovic Ende der 90er Jahre kennengelernt. Sie faszinierte mich, weil sie mit ihren Performances unbewusste Prozesse offenbart, die auf eindrückliche Weise illustrieren, was die theoretische Psychoanalyse lehrt.
So entstand unsere Freundschaft.

Alles was ich sehe
ist
nicht Ich


African Window
In zweijähriger Arbeit bereitete ich unsere gemeinsame Reise nach Afrika vor: eine Begegnung zwischen den Hadzas, Marina und mir. Die Hadzas leben als Jäger und Sammler in Tansania. Die Ausstellung sollte in der Fondation Beyeler und der Film in der „Sternstunde Kunst“ gezeigt werden. Drei Monate vor unserer Reise wurde das Projekt durch widrige Umstände vereitelt, auf die wir keinerlei Einfluss hatten.


Faszination Primitive Kunst
Der Kunsthistoriker Marc Philip Seidel ermöglichte aus dem erarbeiteten Material von African Window eine Lehrveranstaltung an der Universität Zürich zum Thema: Faszination Primitive Kunst.


Fotoserie Doppelbelichtung
Als ich 2002 nach Afrika fuhr, um für African Window einen ersten Kontakt mit den Hadzas aufzunehmen, nahm ich die Kamera mit, in der sich ein bereits belichteter Film der Zürcher Künstlerin Klaudia Schifferle befand. Sie hatte städtische Momente fotografiert, eine Ampel, einen Briefkasten, einen Kronleuchter … Ohne zu wissen, was sie abgelichtet hatte, schichtete ich darüber eine zweite Lage Aufnahmen von meiner Reise zu den Hadzas.
Daraus entstand eine Postkartenserie.

Mein Ausweis
bestätigt mein
Ausgewiesensein

in die Heimat

staccati

Staccati

Vor vielen Jahren, als ich noch täglich im Zürcher Wald joggen ging, kamen mir seltsame Texte in den Sinn, die ich mit der Zeit ernst zu nehmen begann. Es sind Aphorismen, ich nenne sie staccati, weil sie so unerwartet und schnell in meinem Kopf aufblitzen.


Tunnel KSA
Das Kantonsspital Aarau ist auf viele Häuser verteilt, welche unterirdisch miteinander verbunden sind. Jacqueline Schöb hatte den Auftrag, einen Teil dieser Gänge künstlerisch zu gestalten. Sie wählte sechs staccati aus, um sie mit Siebdruck an den Wänden anzubringen.


Staccati auf Licht
staccati blau gedruckt auf FL-Röhren. Eine Ausstellung zusammen mit Jacqueline Schöb. An verschiedensten Orten, mit Vorliebe an unbedeutenden, platzierten wir die staccati auf Licht in den Innen– und Aussenräumen des Kantonsspital Aarau. Ein Teil davon wurde in die Sammlung des KSA aufgenommen.

Das Sölle ersetzt das Wölle


staccati auf Wasserdampf
Mit Laser auf den Wasserdampf des Kühlturmes AKW Gösgen projizierte staccati.

Dieses Projekt zusammen mit Jacqueline Schöb kam nicht zustande, weil sich die Atomkatastrophe in Fukushima mitten in unserer Entwicklungsphase ereignete, und es uns allen unangebracht erschien, den Wasserdampf künstlerisch zu nutzen.


Demeter-Käserei
Die Käserei in Wernetshausen übernahm zwei staccati für die Gestaltung der Innenräume.

Angst
In der Ausstellung Angst im Forum Schlossplatz Aarau projizierte ich zum Thema passende staccati mit einem Karussell–Diaprojektor auf die Wand:

Sicherheit gibt es nicht durch Aneignung von Sicherheit, sondern durch Aufgeben von Zweifel

je mehr sie loslassen, umso mehr hält’s

Angst ist das Loch zwischen den Gezeiten

spasp: sparen auf später

Befürchtungen sind da, um abgestaubt zu werden!

Honig ums Maul macht nicht satt

Poethik
Eine erste Ausstellung der staccati ermöglichten die Poethic–Tage in Männedorf. Ich habe sie mit einem Diaprojektor auf die Wand projiziert.

innenraum

Innenraum

Wenn der Hamster
Seine Backen füllt
Ist es Zeit
Zu sich zu kommen

Als Psychoanalytikerin beschäftige ich mich vorwiegend mit dem Innenraum. Es ist derjenige Raum, in welchen sich unser Ich zurückzuziehen vermag.
Auch den Zwischenraum, der sich in der Begegnung zweier Personen eröffnet, verstehe ich als inneren Raum.
Die Kunst, die aus diesen Räumen hervorgeht, zu ergründen und zu erforschen, entspricht einem grossen Interesse von mir.


Innenraum/Aussenraum/Kunstraum

1999 machte ich eine Projekteingabe für ein Kuratorium des Kunstraum Aarau zu seinem zehnjährigen Bestehen. Mein Projekt wurde angenommen.

Wenn Fremdes auf Fremdes trifft, gibt es nur eine Art der Begegnung: der Austausch. An diesem Punkt entsteht immer Neues – Unvorhergesehenes.
Im Radius von 500 Metern um den Kunstraum Aarau gestalteten Künstlerinnen und Künstler Außen- und Innenräume. Die Dächer der Hochhäuser wurden musikalisch bespielt, die Tiefgarage literarisch und filmisch; der Stadtbus und die Räume der Kantonspolizei wurden zu Orten literarischer Lesungen und die Wiese zum Himmel auf Erden.
Zur Eröffnung balancierte der Hochseilartist Freddy Nock auf dem Seil vom Telli-Hochhaus über die gesperrte Kantonsstrasse zum Fabrikgebäude der ehemaligen Futterfabrik, dem heutigen KiFF.


Angst

In der Folge wurde ich vom Forum Schlossplatz Aarau für eine Ausstellung über Angst angefragt. Ich entwarf und gestaltete sie zusammen mit der Kuratorin Jacqueline Schöb. Im Park des Museums installierte sich für die Zeit der Ausstellung ein Dompteur mit seinen fünf Raubtieren. Er gab täglich Vorstellungen und diskutierte mit den Besuchern über seine Arbeit. Zwei Räume des Forum Schlosspark wurden in begehbare Terrarien umgebaut. Während der sieben Ausstellungswochen waren sie das Zuhause für eine Boa Constrictor. Uns als Kuratorinnen oblag die Aufgabe, sie täglich hinter den Radiatoren hervorzuholen und auf den Baum unter die Wärmelampe zu hängen. Mit dem Schweizer Fernsehen produzierten wir eine Tagesschau mit ausschliesslich erfreulichen Nachrichten.

Eine Zeit der Angst ist eine Zeit der Ohnmacht.
Angst als Antriebskraft zu nutzen ist wie mit einem Klämmerli auf der Nase den Zürchisee zu überqueren.
Werden Sie weniger nass, wenn Sie bei Regen den Kopf einziehen und Grimassen schneiden?


Seelensysteme

Till Velten konzipierte im Helmhaus Zürich eine Ausstellung über Seelensysteme. Ich trug einen 15-minütigen Film dazu bei über eine Priester– und Priesterinnenweihe in Zürich, einen Textbeitrag für den Katalog und ein Interview mit dem Ausstellungsmacher.

Fischer: Du suchst nach der Schönheit des Menschen?
Velten: Ich suche nach dem authentischen Kern.
Fischer: Dann liegt also die Schönheit im authentischen Moment?
Velten: Vielleicht, ja.
Fischer: Es gibt eine Aussage von einem Topmodel auf die Frage, woran sie denke, wenn sie fotografiert werde, woran sie denke, um schön auszusehen auf den Bildern. Sie sehe der Wahrheit ins Gesicht, antwortete sie.


Erkennen – oder es könnte auch anders sein 

Dieser Dokumentarfilm entstand für die „Sternstunde Philosophie“ von SF1. In fünf Interviews mit einer Neuropsychologin, einem Chaostheoretiker, einem Künstler, einem Kind und einer Nonne erforschte ich das Thema Erkennen und eben: es könnte auch anders sein.


Balkan Epic

Zu dieser Ausstellung von Marina Abramovic in Milano, verfasste ich einen Katalogbeitrag in Form eines Interviews Talking about Sexuality.


Hans

ist ein 17-minütiges Filmporträt über meinen Vater. Dieser Film, ursprünglich als Dokumentarfilm geplant, ist das Produkt eines einzigen Drehtages mit ihm. Wir mussten abbrechen, der Schmerz seiner Erinnerungen liess uns die Arbeit nicht mehr weiterführen.


Führungen im Museum
Mein Interesse, eine psychoanalytische Annäherung an das Kunstwerk und den Künstler zu finden, brachte mich in die Kunsthäuser Aarau und Zürich.

Ich führe ein interessiertes Publikum durch die Sammlung der jeweiligen Häuser, wobei ich entweder einen Künstler auswähle (zum Beispiel Louis Soutter in Aarau) oder mich  für ein übergeordnetes Thema entscheide (in Zürich ging es um das Begehren). Entlang unserer Assoziationen bewegen das Publikum und ich uns durch die Innenräume dieser Art von Kunst–Betrachtung, in der auch wir uns zu reflektieren vermögen.


Verlag

Vier Jahre arbeitete ich als Mitglied der Redaktion für den Zürcher Verlag edition8.

Wintersalon

Die Stadtbibliothek Aarau öffnete ihre Räume für abendliche Veranstaltungen. Ich begann mit dem Wintersalon: für zwei Winter moderierte ich eine Diskussionsreihe zu den Zusammenhängen von Hierarchie, Besitz und Angst.

Die Anerkennung von Bedingtheit ersetzt Herrschaft.

 

in-arbeit

In Arbeit


Psychoanalyst meets Artist
Aus meiner viertägigen Begegnung mit Marina Abramovic im Sommer 2015 wird ein Buch mit diesem Titel hervorgehen.

Zusammen mit Marc Philip Seidel plane ich eine Buchserie mit weiteren Künstlern.


Angst
Ein psychoanalytisches und allgemein verständliches Sachbuch über die Angst sollte 2016 fertig gestellt sein.

Sisyphus
Eine psychoanalytische Neuinterpretation des Sisyphus-Mythos ist in Arbeit.

spasseshalber

SPASSESHALBER


giro di moda
Eine performative Modeschau entlang der Bahnhofstrasse Zürich. Zehn Models, perfekt gekleidet und frisiert, patrouillierten durch die Zürcher Innenstadt, begleitet von zwölf schwarz gekleideten Paparazzi. Die Passanten erhielten keinerlei Informationen über das, was sich abspielte.


Enya
ist ein Video von 8 Minuten. In einem Zürcher Restaurant beobachtete ich eine Frau, die in ihren Armen einen Säugling wiegte. Sie versuchte ihn zu beruhigen, während sie das Essen holte. Die Szene berührte mich, und ich fragte, ob sie bereit wäre, ein kleines ‚wiegendes’ Video zu drehen. Draussen im Park, ein paar Wochen später während den Dreharbeiten, kamen wir auf eine ganz andere Idee.


Rechtschaffen oder Recht schaffen
Ein vierminütiges Video, in dem ich endlich meine Lieblingsaufnahme aus Budapest unterbringen konnte: eine sehr alte Fahrkartenverkäuferin der Budapester Untergrundbahn faszinierte mich durch ihre Freundlichkeit, Zahnlosigkeit und vor allem durch ihr geschätztes Alter von Mitte 80.

media

Media

nichts ist wieder gut zu machen - aber zu ändern

eine Auswahl

Zeitungsbericht

“Das Gegenteil von Angst ist die Liebe”. Interview: Jeannette Fischer und Jacqueline Schöb, die Kuratorinnen der Ausstellung “Angst” im Gespräch, in: Aargauer Zeitung vom 22.8.2001.

Informationen

zum Dokumentarfilm “Lisa und Yvonne” von Jeannette Fischer und Jens-Peter Rövekamp,> www.psychoanalyse-zuerich.ch

Interview

Netzwerk-verdingt befragte Jeannette Fischer im Zusammenhang mit dem Dokumentarfilm “Lisa und Yvonne”, der auf das Schicksal eines ehemaligen Verdingkindes und ihrer Tochter eingeht. > www.netzwerk-verdingt.ch

Textbeiträge

Verdingkinder reden. Fremdplatzierungen damals und heute. > www.verdingkinderreden.ch

Ankündigung

“Mit der Psychoanalyse ins Kunsthaus Zürich. Jeannette Fischer präsentiert ausgewählte Werke der Sammlung für einmal nicht aus kunsthistorischer Perspektive. > Direktlink

Interview

“So funktioniert der Clown-Terror.” Jeannette Fischer zu den Brutalo-Attacken in Frankreich, in: Blick vom 27.10.2014, > Direktlink

Fachreferat

Aufarbeitung fürsorgerischer Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen: transgenerationale Weitergabe von Traumata > www.fuersorgerischezwangsmassnahmen.ch

Der Club

“Vom Verdingkind zum Pflegekind – ist heute alles besser?” Diskussion mit Jeannette Fischer und anderen Gästen, in: SF Der Club vom 8.11.2011 > Direktlink

Veranstaltung

Kunst-Treffen mit Jeannette Fischer über die Werke von Louis Soutters und dessen leidvolles und einsames Leben, Aargauer Kunsthaus, 15.11.2012

Berichterstattung

“Stimmen des Bahnhofsviertels”. Jeannette Fischer liest aus ihrem Manuskript “Angst – vor ihr haben wir uns zu fürchten.” In: Frankfurter Neue Presse vom 9.10.2014

Veranstaltung

“Ich erinnere mich nicht gerne an meine Kindheit…” Ein Gespräch mit Jeannette Fischer über den Umgang mit einschneidenden Erlebnissen im Kindesalter, im Rahmen der Museumsnacht, im Käfigturm, Polit-Forum des Bundes, 20.3.2009

Podiumsdiskussion

Kulturförderung: “Aarau hat genug Geld für Kultur”, Podiumsdiskussion, Theater Tuchlaube vom 3.6.2010 > Direktlink